Dorfkirche Vipperow

Frühgotische Feldsteinkirche aus der Zeit um 1300

Die Kirche

Die Gemeinde Vipperow liegt im südlichen Teil der Mecklenburgischen Seenplatte, an der „Kleinen Müritz". Der Müritz-Radweg führt durch das Dorf und leitet die Besucher, an teilweise sanierten alten Gebäuden vorbei, zum Dorfplatz mit der um das Jahr 1300 errichteten Kirche.

Sie gilt als eine der ältesten Kirchen in der Region und ist eine frühgotische Feldsteinkirche, deren schlichter Grundriss noch spätromanische Züge trägt. Die heutigen Fenster sind gotisch; die Sakristei stammt aus dem 15. Jahrhundert und der mit Backstein verblendete Fachwerkturm aus dem 18. Jahrhundert.

Dorfkirche Vipperow — Feldsteinkirche mit schieferverkleidetem Fachwerkturm

Direkt gegenüber der Kirche steht das historische Pfarrhaus, das zusammen mit dem Kirchhof und den alten Bäumen das Ensemble des Dorfplatzes prägt.

Besonderheiten im Äußeren

An der Ostseite der Kirche findet sich ein besonderer Stein mit einer eingeritzten Axt. Es kann sich um ein Handwerkerzeichen handeln, könnte aber auch ein Stein sein, der aus dem Heiligtum der Slawen vor der Christianisierung stammt. Ebenfalls bemerkenswert ist das Hagioskop (Lepraspalte) an der Ostwand — eine baugeschichtliche Seltenheit in der Region.

Schnitzaltar

Im Innern der Kirche ist ein Schnitzaltar zu bewundern, dessen Mittelteil um 1500 entstanden ist. Die dazu gehörenden Seitenflügel wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gestohlen und 1959 laienhaft ergänzt.

Wandmalereien

Hervorzuheben sind die für eine Dorfkirche ungewöhnlich aufwändigen und qualitätsvollen Wandmalereien aus dem frühen und späten Mittelalter. Wandrenovierungen und Übermalungen in den folgenden Jahrhunderten führten zu mechanischen Beschädigungen sowie Fehlstellen und lassen zur Zeit nur Spuren der früheren Ausmalungen sichtbar werden.

Die 2013 von der Universität Potsdam durchgeführten Analysen unter Anwendung der Raman-Spektroskopie sollen helfen, die historischen Farbpigmente zu ermitteln. In den Jahren 2017 bis 2019 konnte mit Unterstützung der Rudolf-August Oetker-Stiftung die Restaurierung der Wandmalereien an der Südwand durchgeführt werden — ermöglicht durch das Engagement der Kirchgemeinde Vipperow und des Förderkreises Vipperow „Kirche im Dorf" e.V.

Das Weltgericht — Rekonstruktion einer mittelalterlichen Wandmalerei

Die dunklen Farbflecke an der Nordwand der Kirche sind die Reste einer Weltgerichtsdarstellung, die um das Jahr 1500 entstanden ist. Aus denkmalschutzrechtlichen Gründen war es nicht möglich, das Gemälde an Ort und Stelle wiederherzustellen. Daher hat sich der Förderkreis „Kirche im Dorf" e.V. entschlossen, eine Rekonstruktion in Auftrag zu geben — finanziert durch Spenden.

Historienmaler Detlev Glöde aus Blumenthal bei Wittstock stellte im Juni 2022 nach monatelanger Erforschung seinen Rekonstruktionsversuch vor. Etwa vier Monate hatte er gebraucht, um die Reste des Gemäldes zu analysieren, den Bildaufbau zu rekonstruieren und die ursprünglichen Farben zu ermitteln. Mit professionellen Fotos und Zeichnungen der noch vorhandenen Strukturen sowie dem Vergleich mit zeitgenössischen Darstellungen konnte der ehemalige Bildaufbau erahnt werden. Farbreste wurden in einem Labor auf ihren Mineralgehalt getestet; anhand von Mineral- und Farbtabellen konnten die Farben und ihre Positionierung im Bild wieder gewonnen werden.

Das Bild zeigt in der Mitte Jesus als Weltenrichter, sitzend auf Wolken. Seine Füße stützt er auf die Weltkugel und einen Regenbogen, der zweite Regenbogen führt hinter seinem Rücken durch. Rechts und links von ihm die zwölf Jünger. Neben seinem Kopf ein waagerecht angeordnetes Schwert — Symbol für das Gericht — und eine Lilie — Symbol für die Reinheit. Auf der rechten, unteren Bildseite ist die Hölle dargestellt, mit dem Teufel davor, der versucht, Menschen in die Hölle zu ziehen. Auf der linken Seite steht Petrus mit dem Schlüssel vor dem himmlischen Jerusalem, davor eine Menschenmenge, die dem Himmel zustrebt. In der Mitte zielen die Erzengel Zakiel und Michael mit einer Lanze auf den Teufel. Die Szene geht auf das biblische Motiv des endzeitlichen Weltgerichts nach dem Matthäusevangelium (Kapitel 25) zurück.

Vermutlich von wandernden Kunstmalern aus Norditalien wurde diese hochprofessionelle Arbeit an die Nordwand gemalt. Die Kosten müssen immens gewesen sein — nach heutiger Kaufkraft mehrere Millionen Euro. Allein die Farben waren höchst kostbar und kamen unter anderem aus China, Afghanistan und Spanien. Auftraggeber könnten die von Hahns oder der Landesherr persönlich gewesen sein.

„Damals konnten die Menschen ja nicht lesen und im Grunde genommen ist das aktive Bibellektüre. Es diente sicherlich unter anderem der Mission und der Kirchenzucht." — Pastorin Verena Häggberg

Orgel

Die Orgel, 1865 vom Orgelbauer Lütkemüller in Wittstock hergestellt, wurde 2008 umfassend restauriert. Sie besitzt einen besonderen, sehr schönen Klang.

Restaurierung

Im Sommer 2012 konnte, finanziert durch Spenden und Stiftungsgelder, mit den Restaurierungsarbeiten in der Kirche begonnen werden. Es wurden zunächst das Hagioskop an der Ostwand wiederhergestellt, die Öffnung und Ummalung des Reliquienschreins, die Weihekreuze und figürliche Fragmente freigelegt und teilweise retuschiert.

Der Ornamentfries aus dem 19. Jahrhundert konnte an der Ost- und Nordseite restauriert werden. Für die Ost- und Nordwand erfolgte ein Neuanstrich mit Leimfarben und ihre Festigung. 2013 wurde die gesamte Westseite gestrichen sowie die Holzarbeiten und die Farbgebung im Eingangsbereich der Kirche realisiert. Schwere Wasserschäden am Turm wurden bereits 2009 behoben.

Von 2018 bis 2019 folgte die umfassende Sanierung des Kirchturms, gefördert durch Mittel der Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Darüber hinaus trugen zahlreiche private Spender zur Finanzierung bei.

Förderkreis „Kirche im Dorf" e.V.

Der Verein setzt sich seit 2008 für den Erhalt und die Instandsetzung der denkmalgeschützten Kirche ein.

Mehr zum Förderkreis

Besuch

Adresse
Dorfstraße 27, 17207 Südmüritz OT Vipperow